Kunden von American Express und Trade Republic erhalten gefälschte Sicherheits-SMS im verifizierten Nachrichtenverlauf ihrer Anbieter
In meiner täglichen Kanzleiarbeit als Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht beobachte ich derzeit eine Betrugsform, die ich für besonders gefährlich halte: Kunden von American Express und Trade Republic erhalten gefälschte SMS, die im echten, verifizierten Nachrichtenverlauf ihrer Bank oder ihres Brokers auftauchen. Die Nachricht warnt vor einem angeblichen Missbrauch und veranlasst Betroffene in der Folge zu erheblichen Zahlungen, die sie in dem Glauben leisten, ihr Konto zu schützen.
Wer eine solche Nachricht sieht, trifft sie nicht in einem fremden oder verdächtigen Kontext an, sondern eingebettet zwischen echten Sicherheitshinweisen und legitimen Mitteilungen seines Anbieters. Das ist das Entscheidende: Die typischen Warnsignale für Betrug fehlen vollständig.
Inhalt
- Wie SMS-Spoofing funktioniert: Gefälschte Nachrichten im echten Thread
- Warum Kunden von American Express und Trade Republic besonders betroffen sind
- Die Rechtslage bei SMS-Spoofing: Wer haftet für den Schaden?
- Was Sie sofort tun sollten, wenn Sie von SMS-Spoofing betroffen sind
- Wann anwaltliche Beratung bei SMS-Spoofing entscheidend ist
- Fazit: SMS-Spoofing bei American Express und Trade Republic richtig einordnen
Wie SMS-Spoofing funktioniert: Gefälschte Nachrichten im echten Thread
Die technische Grundlage dieser Betrugsform ist das sogenannte SMS-Spoofing. Täter manipulieren dabei den Absendernamen einer SMS so, dass das Empfängergerät sie demselben Nachrichtenfaden zuordnet wie echte Nachrichten des betroffenen Unternehmens. Das Gerät des Opfers ist technisch nicht in der Lage, zwischen echter und gefälschter Nachricht zu unterscheiden, da beide unter demselben Absendernamen erscheinen.
Der Inhalt der gefälschten SMS folgt einem typischen Muster: Es wird ein dringender Sicherheitsvorfall geschildert, etwa eine erkannte betrügerische Transaktion, ein verdächtiger Loginversuch oder ein drohender Schaden. Der Empfänger wird aufgefordert, sofort zu handeln, durch einen Rückruf auf eine mitgeteilte Nummer, die Bestätigung einer angeblichen Rückbuchung oder eine Überweisung auf ein vermeintlich sicheres Konto.
Die Täter agieren dabei mit erheblichem psychologischem Geschick. Sie erzeugen Zeitdruck, sprechen von drohenden irreversiblen Schäden und treten, wenn es zum Telefonkontakt kommt, professionell und überzeugend auf. In mehreren mir bekannten Fällen haben Betroffene auf diese Weise Beträge von mehreren tausend Euro überwiesen, in Einzelfällen auch deutlich mehr.
Warum Kunden von American Express und Trade Republic besonders betroffen sind
Beide Anbieter unterhalten ein etabliertes SMS-Kommunikationssystem mit ihren Kunden, was sie zu bevorzugten Angriffszielen für Spoofing-Attacken macht. Gerade weil Amex-Inhaber und Trade-Republic-Nutzer es gewohnt sind, sicherheitsrelevante Mitteilungen per SMS zu empfangen, ist die Hemmschwelle gegenüber solchen Nachrichten naturgemäß geringer.
In den mir vorliegenden Fällen folgte die Masche stets einem ähnlichen Ablauf: Zunächst erscheint die gefälschte Warn-SMS im echten Nachrichtenverlauf, anschließend kommt ein Anruf durch angebliche Mitarbeiter des Unternehmens oder ein Link zu einer täuschend echten Webseite. Am Ende stand jeweils eine Zahlung, getarnt als Schutzmaßnahme, tatsächlich jedoch direkt an die Täter oder einen Mittelsmann.
Die Rechtslage bei SMS-Spoofing: Wer haftet für den Schaden?
Die entscheidende Frage, die Mandanten in solchen Fällen stellen, lautet: Bekomme ich mein Geld zurück? Die Antwort hängt vom konkreten Sachverhalt ab, ist aber in vielen Fällen günstiger, als Betroffene nach einer ersten Ablehnung vermuten.
§ 675u BGB verpflichtet den Zahlungsdienstleister zur Erstattung nicht autorisierter Zahlungsvorgänge. Entscheidend ist dabei, ob die Zahlung im rechtlichen Sinne überhaupt „autorisiert“ war. Wer aufgrund einer täuschend echten Betrugsmasche eine Zahlung veranlasst, ohne den wahren Empfänger und Zweck zu kennen, hat diese möglicherweise nicht in der Form autorisiert, die die Bank als Grundlage für eine Belastung akzeptieren darf.
§ 675v BGB käme dann zum Tragen, wenn der Bank grobes Verschulden des Kunden nachzuweisen wäre. Genau hier liegt die rechtliche Besonderheit dieser Masche: Wer eine Nachricht im echten, verifizierten Nachrichtenverlauf eines bekannten Unternehmens vorfindet, handelt nicht ohne Weiteres grob fahrlässig, wenn er ihr Glauben schenkt. Die Täuschungsqualität ist objektiv so hoch, dass dieser Vorwurf in vielen Fällen nicht trägt.
Hinzu kommt die Frage, ob die Bank ihren eigenen Sicherheitspflichten nachgekommen ist. Hätte ein funktionierendes Transaktionsmonitoring auffällige Muster erkannt und verhindert? War der SMS-Kommunikationskanal ausreichend gegen Spoofing-Angriffe gesichert? Auch diese Fragen können eine Haftung des Instituts begründen oder verstärken.
Seit Oktober 2025 gilt zudem die sogenannte Empfängerprüfung (Verification of Payee). Weicht der tatsächliche Kontoinhaber vom angegebenen Überweisungsempfänger ab, ist die Bank verpflichtet, den Kunden ausdrücklich zu warnen. Unterbleibt diese Warnung oder fällt sie unzureichend aus, kann das Schadensersatzansprüche nach § 823 Abs. 2 BGB sowie aus dem Zahlungsdienstevertrag begründen.
Was Sie sofort tun sollten, wenn Sie von SMS-Spoofing betroffen sind
- Keine weiteren Zahlungen veranlassen und jeden Kontakt mit den vermeintlichen Mitarbeitern sofort beenden.
- Konto und Karte über den offiziellen Kundenservice von American Express oder Trade Republic sperren lassen sowie den Sperr-Notruf 116 116 nutzen.
- Vollständige Dokumentation sichern: Screenshot des SMS-Verlaufs mit der gefälschten Nachricht, alle Gesprächsnotizen, Überweisungsbelege und E-Mails.
- Strafanzeige bei der zuständigen Polizeidienststelle oder über die Online-Wache des jeweiligen Bundeslandes erstatten. Sie ist Grundlage für zivilrechtliche Ansprüche und etwaige Versicherungsleistungen.
- Schriftliche Erstattungsforderung an den Zahlungsdienstleister unter Berufung auf § 675u BGB stellen, mit vollständiger Dokumentation des Sachverhalts und klarer Fristsetzung.
- Keinen Vergleich ohne anwaltliche Prüfung unterzeichnen. Erste Angebote der Institute liegen regelmäßig deutlich unter dem tatsächlich Durchsetzbaren.
Wann anwaltliche Beratung bei SMS-Spoofing entscheidend ist
SMS-Spoofing im echten Nachrichtenverlauf zählt zu den gefährlichsten aktuellen Betrugsmaschen, weil sie gezielt das Vertrauen ausnutzt, das Kunden gegenüber ihren Finanzdienstleistern aufgebaut haben. Betroffene sollten sich durch eine erste Ablehnung ihrer Bank nicht entmutigen lassen.
Die Rechtslage bietet in vielen Fällen belastbare Anspruchsgrundlagen. Deren Durchsetzung erfordert jedoch juristisches Fachwissen und Erfahrung in der Auseinandersetzung mit Banken und Zahlungsdienstleistern. Lassen Sie den Fall frühzeitig prüfen, gerne übernehmen wir dabei auch die Deckungsanfrage bei Ihrer Rechtsschutzversicherung.
Fazit: SMS-Spoofing bei American Express und Trade Republic richtig einordnen
Gefälschte SMS im echten Nachrichtenverlauf sind eine technisch ausgereifte Betrugsform, deren Gefährlichkeit gerade darin liegt, dass alle üblichen Erkennungsmerkmale fehlen. Betroffene trifft in vielen Fällen kein grobes Verschulden. Die Rechtslage nach § 675u BGB, die Frage der Sicherheitspflichtverletzung des Instituts und die seit Oktober 2025 geltende Empfängerprüfung bieten reale Anspruchsgrundlagen, die anwaltlich geltend gemacht werden können.
